GESCHMACKSVERIRRUNGEN

GESCHMACKSVERIRRUNGEN

(c) Museum der Dinge

Für alle Berliner und Leutchen, die in den nächsten drei Monaten einen Abstecher in die Hauptstadt machen werden, habe ich einen kleinen Ausstellungstipp.
Im Museum der Dinge könnt ihr noch bis zum 11. Januar 2010 die Sonderausstellung „Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks“ besuchen.

„Wollen wir erkennen, worin der gute Geschmack besteht, müssen wir zuerst den schlechten Geschmack beseitigen.“

Mit dieser Absicht eröffnete Gustav E. Pazaurek 1909 im Stuttgarter Landesgewerbemuseum extra eine eigene „Abteilung für Geschmacksverirrung“. Es war eine Art Schausammlung im Sinne des Deutschen Werkbunds zur Erziehung zum „guten Geschmack“. Pazaurek präsentierte abschreckende Negativbeispiele kunsthandwerklicher Erzeugnisse und wollte den „schlechten Geschmack“ am Gegenstand selbst entlarven. Er entwickelte eine komplexe Systematik zur Einordnung von Gestaltungsfehler aller Art und führte Kategorien ästhetischer Fehlgriffe auf wie Materialprotzerei, Hurrakitsch, Ornamentwut.

Die Ausstellung im Museum der Dinge versucht erstmals eine Rekonstruktion der „Abteilung der Geschmacksverirrungen“ und zeigt über 50 der Schaustücke aus der Originalsammlung des Landesmuseums Württemberg. Den historischen Objekten wird darüber hinaus eine Auswahl zeitgenössischer „böser Dinge“ gegenübergestellt – von der Massenware bis zum Designerstück.

(c) Museum der Dinge

In seiner Schrift „Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe“ von 1912 urteilte Pazaurek über den Blechteller: „Wenn von zwei Dekoren nicht nur einer auf den anderen gar keine Rücksicht nimmt, sondern wenn einer den anderen erst vernichtet, um sich selbst an dessen Stelle zu drängen, so ist das brutal.“

Die Obama-Kindersneakers fallen in der aktuellen Sonderausstellung in die Unterkategorie Hurrakitsch. Pazaurek beschrieb Kitsch als billigen Massenschund ohne Rücksicht auf eine angemessene Materialverwendung, Formensprache und Dekoration.

Im letzten Teil der Ausstellung seid ihr aufgerufen eure eigenen „bösen“ Dinge einzuordnen und die Enzyklopädie des schlechten Geschmacks fortzuschreiben. Hier ein paar Beispiele bisheriger Besuchermitbringsel.

(c) Museum der Dinge

Ich dachte mir, ich könnte vielleicht dieses gute Stück der Ausstellung beisteuern. Was meint ihr?

(Bilder: Museum der Dinge)

Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks“
16. Juli 2009 bis 11. Januar 2010

Sonderausstellung im Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
D-10999 Berlin

Öffnungszeiten: Mo, Fr, Sa, So 12-19h
Eintrittspreise: 4€, ermäßigt 2€


Es gibt 2 Kommentare

Add yours
  1. Dotti

    Wunderbar! Obgleich ich gestehen muss, dass Sneaker und (Papp?-)Teller für mich gar kein Unding wären. Es kommt ja bekannterweise auch immer auf die richtige Mischung an.

    Deine Töpfer-Kuh-Tasse kannste aber beruhigt abgeben. Ganz sicher.

Es gibt 1 Kommentar